Rechtsanwalt für Verkehrsunfallrecht in Ahlen, Beckum, Hamm usw.

Tipps und Ratschläge bei einem Verkehrsunfall

Nach Angaben des Bundesamtes für Statistik wurden im Jahr 2010 in Deutschland 2,4 Mio. polizeilich erfasste Verkehrsunfälle gemeldet, dabei wurden 370.000 Menschen verletzt, über 3.600 verloren ihr Leben. Die Zahl der Todesopfer steigt wieder, im Jahr 2011 waren es sogar knapp 4.000 Todesopfer.

Ist jemand Opfer eines Verkehrsunfalls geworden, wissen die meisten Unfallbeteiligten nach so einem Ereignis zunächst nicht, wie sich in dieser Ausnahmesituation richtig verhalten sollen.

Erstes Gebot direkt nach einem Verkehrsunfall ist aber immer die Ruhe zu bewahren (so gut es geht). Es muss angehalten werden (anderenfalls begehen Sie eine Unfallflucht), Verletzte müssen versorgt werden bzw. der Rettungsdienst muss alarmiert werden, die Unfallstelle muss abgesichert werden.

Sind Verletzte oder gar Tote zu beklagen, sollte immer die Polizei eingeschaltet werden. Das gilt auch, wenn die Schuldfrage nicht zu klären ist. Des Weiteren sollten die Personalien (Name, Anschrift, Versicherung und Versicherungsnummer) notiert werden. Diese Angaben können notfalls aber auch über den Zentralruf der Autoversicherer abgefragt werden. Beweismittel sollten gesichert werden. Sofortige Schuldanerkenntnisse sollten nicht abgegeben werden, es kann sonst Ärger mit Ihrer Versicherung geben.

Bei kleineren Unfallschäden ist es nicht unbedingt notwendig die Polizei zu holen. Die Unfallaufnahme sowie die Beweissicherung durch die Polizei ist aber in jedem Fall bei der nachfolgenden Durchsetzung von Ansprüchen bzw. Abwehr von Regressen sinnvoll.

Besteht z. B. der Verdacht einer Unfallflucht, der fahrlässigen Körperverletzung etc., muss ebenfalls mit der Einleitung eines Strafverfahrens gerechnet werden. Unter bestimmten Umständen ist auch mit einem Bußgeldverfahren zu rechnen, z. B. wenn der Unfall wegen Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit verursacht wurde.

Bei der anschließenden Geltendmachung von Ansprüchen bei Personenschäden, Sachschäden und Schmerzensgeld bzw. bei der Abwehr von Ansprüchen gegen Ihre Person seitens des Unfallgegners ist die Inanspruchnahme eines fachkundigen Rechtsanwaltes empfehlenswert.

Als Unfallopfer haben Sie in der Regel Schadensersatzansprüche gegen den Unfallverursacher bzw. gegen seine Haftpflichtversicherung. Gegen diese Haftpflichtversicherung haben Sie einen Direktanspruch, brauchen somit nicht den eigentlichen Schädiger zu kontaktieren. Es kommt dennoch viel Schreibarbeit auf Sie zu. Vergessen Sie auch nicht Ihre eigene Versicherung innerhalb einer Woche nach dem Unfall zu unterrichten. Ist ein Todesopfer zu beklagen hat diese Unterrichtung sogar innerhalb von 2 Tagen zu erfolgen.

Der Unfallverursacher hat jede wirtschaftliche Einbuße zu ersetzen. Die wichtigsten Ansprüche die Sie gegebenenfalls gegen den Unfallverursacher haben, sind im Folgenden aufgelistet:

Personenschäden:

Hierunter fallen insbesondere,

  •  die Arzt- und Heilbehandlungskosten
  •  Fahrtkosten von nahen Angehörigen (auch der/die Lebensgefährte/in) für Krankenhausbesuche
  •  Kur- und Pflegekosten
  •  u. U. eine Umschulungsmaßnahme zum Zwecke der beruflichen Rehabilitation
  •  u. U. behindertengerechter Umbau der eigenen Wohnung
  •  Haushaltsführungsschaden
  •  Erwerbs- bzw. Verdienstausfall
  •  Schmerzensgeld

Da die Gewährung von Schmerzensgeld immer eine Einzelfallentscheidung ist, kann keine verbindliche Höhe für eine bestimmte Verletzung genannt werden. Faktoren für die Bemessung des Schmerzensgeldes sind u.a. das Ausmaß und die Schwere der Verletzung, die Frage, ob eine dauernde Behinderung vorliegt, das Alter des Verletzten etc.

Der Schmerzensgeldanspruch ist auch vererbbar.

Tabellen einzelner Automobilclubs, welche im Internet zu finden sind, bieten eine erste Orientierungshilfe über die ungefähre Höhe des zu erwartenden Schmerzensgeldes.

  •  Sterbekosten

Der Erbe hat einen Anspruch auf Erstattung der Kosten für eine standesgemäße Beerdigung des Unfallopfers.

  •  Hinterbliebenenrente

Sachschäden:

  • Fahrzeugschaden, Reparatur- und Totalschaden

Sofern Sie Ihr Fahrzeug in einer Werkstatt reparieren lassen, ergeben sich die Reparaturkosten aus der Rechnung. Daneben können Sie auch auf der Grundlage eines sogenannten Sachverständigengutachtens abrechnen. Dieses kann angebracht sein, wenn Sie den Schaden nicht beheben wollen bzw. ihn selbst beheben wollen. In diesem Fall können Sie den Betrag verlangen, den eine Reparatur in der Werkstatt gekostet hätte, allerdings ohne die Umsatzsteuer.

Sofern Ihr Fahrzeug einen Totalschaden erlitten hat, bekommen Sie Geld für die Wiederbeschaffung eines gleichwertigen Ersatzwagens. Wenn Sie Ihr Fahrzeug reparieren lassen wollen, ist zu beachten, dass die Versicherung nur für Reparaturkosten aufkommt, die nicht mehr als 130% über dem Fahrzeugwert vor dem Unfall liegen, anderenfalls liegt ein sogenannter wirtschaftlicher Totalschaden vor. Liegen die Reparaturkosten höher, wird nur der Wiederbeschaffungswert ersetzt. Abzuziehen ist in diesem Fall noch der Restwert des Fahrzeugs. Umsatzsteuer erhalten Sie in diesem Fall nur dann, wenn sie auch angefallen ist.

Anspruch auf einen Neuwagen haben Sie nur, wenn ihr vorheriges beschädigtes Fahrzeug höchstens eine Fahrleistung von 1.000 km aufweist, sowie nicht älter als 1 Monat ist. Des Weiteren muss Ihr Fahrzeug erheblich beschädigt worden sein.

  •  Wertminderung

Sofern Ihr beschädigtes Fahrzeug bei dem Unfall nicht älter als 5 Jahre ist, können Sie auch eine Wertminderung geltend machen. Die bisherige Fahrleistung, die Art der Beschädigung, das Alter etc. sind zu berücksichtigen.

  •  Sachverständigenkosten

Sofern kein Bagatellschaden vorliegt, ab ca. 500 €, können Sie einen Sachverständigen Ihrer Wahl mit der Begutachtung Ihres Fahrzeugs beauftragen. Die Kosten hierfür sind durch den Unfallverursacher zu ersetzen.

  •  Abschleppkosten
  •  Nutzungsausfall bzw. Mietwagenkosten

Sofern Ihr Fahrzeug in der Reparatur ist oder Sie sich einen neuen Wagen anschaffen müssen, haben Sie für die Zeit, in welcher Sie Ihr altes Fahrzeug nicht nutzen können, Anspruch auf einen Mietwagen. Diese Kosten muss der Unfallverursacher übernehmen. Sie müssen allerdings Ihre Schadensminderungspflicht beachten, d.h. Sie müssen einen günstigen Mietwagentarif wählen, in der Regel werden Ihnen die Mietwagenkosten erstattet, wenn Sie einen Mietwagen wählen, der eine Klasse niedriger ist als Ihr eigenes Fahrzeug. Ebenfalls werden keine Mietwagenkosten übernommen, wenn die Inanspruchnahme eines Taxis wegen der geringen Fahrstrecke kostengünstiger gewesen wäre.

Sollten Sie auf einen Mietwagen verzichten, können Sie u. U. einen Nutzungsausfall beanspruchen.

  •  Entsorgungs- und Standkosten

Für den Fall, dass Ihr Fahrzeug nur noch Schrottwert hat, hat der Unfallverursacher auch die Kosten für die Verschrottung zu übernehmen. Gleiches gilt für evtl. anfallende Standkosten auf dem Gelände der Werkstatt für die Zeit bis zur Reparatur.

Weitere Schäden:

  •  Steuerliche Nachteile
  •  Versicherungsrechtliche Nachteile

Diese können entstehen durch den Verlust eines Beitragsnachlasses/ Schadenfreiheitsrabattes.

  • Kosten der Rechtsverfolgung, insbesondere die Einschaltung eines Rechtsanwaltes

Soweit die Ansprüche sich als berechtigt erweisen, werden die Kosten für die Beauftragung eines Rechtsanwaltes von der Versicherung des Unfallverursachers erstattet.

  •  Auslagenpauschale

Eine Kostenpauschale i. H. v. 25 – 30 € für den Ersatz der Auslagen kann verlangt werden.

  •  Reinigungskosten, Zinsen für den Dispositionskredit etc.

Wer kommt für Ihren Schaden auf?

Die Frage, ob Ihr Schaden vollumfänglich von der Versicherung des Unfallgegners übernommen wird, hängt davon ab, ob der Fahrer des anderen Fahrzeugs allein am Unfall schuld ist oder ob Ihnen eine gewisse Mitschuld bzw. die Betriebsgefahr Ihres Fahrzeugs angerechnet werden kann. Im letzteren Fall wird dann eine Quote gebildet, z. B. 80 % Schuld des Gegners, das bedeutet, dass 80 % des Schadens dieser übernehmen muss, die restlichen 20 % müssen Sie übernehmen. Sofern der Unfall für Sie aber unvermeidbar war, können Sie Ersatz Ihres gesamten Schadens verlangen. Diesen Unabwendbarkeitsnachweis müssen Sie aber führen und beweisen.

Sollten Unklarheiten bzgl. Ihrer Mitschuld bestehen, kann dieses im Rahmen einer anwaltlichen Erstberatung erörtert werden.

Rechtsanwalt Huß sichert Ihnen bereits jetzt eine praxisnahe, juristisch fundierte und individuelle Beratung in Verkehrsunfallsachen zu. Aus diesem Grund werden laufend Fortbildungsseminare besucht, so z. B. das fünfstündige Seminar am 04.05.2013:

„Sachschadenregulierung -aktuelle Probleme unter Berücksichtigung der Rechtsprechung“

Referent: Hermann Lemcke, Rechtsanwalt, Vors. Richter am OLG Hamm a. D.

Sofortkontakt

Sollten Sie Fragen haben, zögern Sie nicht einfach anzurufen.

0 23 82 / 80 34 79

Ihr Hans-Bernhard Huß